Lyonel-Feininger-Galerie

Sabina Grzimek. AUS DEN ZEITEN.
Radierungen und Übermalungen

Sonderausstellung

Die Bildhauerin Sabina Grzimek blickt auf ein Schaffen von über 50 Jahren zurück. Ihre Plastiken umfassen alle klassischen Genres vom Porträt über Kleinplastik bis hin zu mehrfigurigen Ensembles im Stadtraum und haben Eingang in prominente Sammlungen gefunden. Weniger bekannt ist, dass die Künstlerin parallel zu den skulpturalen Aspekten ihrer Arbeit ein umfangreiches grafisches und malerisches Werk entfaltet hat. Unabhängig davon, welchen Gattungen sie sich zuwendet, steht in der Mitte ihres künstlerischen Denkens die Frage, was sich mit Mitteln der Kunst über den Menschen noch sagen lässt, wenn er von Ideologien, Konsum und Naturentfremdung gezeichnet ist und in den Bildwelten der Massenkultur verschwindet.

Auch das grafische Werk der Bildhauerin setzt hier an. Die Retrospektive zeigt mit über 100 Werken aus fünf Jahrzehnten erstmals das gesamte Spektrum der Sprachmittel, Motive und Techniken, in denen sich Sabina Grzimek zeichnerisch deklariert. In Folgen, Einzelblättern und Zustandsdrucken öffnen sich Themenbereiche ihres unmittelbaren Lebens: Die Familie in ihren Generationen, Landschaft und deren Fauna, Auftritte von Jazzmusikern, urbane Milieus, Stillleben und Porträts. Es dominiert der spontane Strich der Kaltnadelradierung, während der Variantenreichtum von Zustandsdrucken im Aquarell eine expressive Weiterführung erfährt und vom zeichnerischen Werk eine Brücke zur Malerei schlägt. Die meisten Blätter sind noch nie ausgestellt worden, so dass die Ausstellung einer Entdeckung gleichkommt und eine virtuose, viel zu wenig bekannte Zeichnerin offenbart.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Eine Kooperation mit der Galerie Pankow, Berlin.

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Sabina Grzimek, 1973, Radierung, Aquatinta
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt


Biografie Sabina Grzimek

1942 in Rom geboren
1961–62 praktisches Jahr an der Porzellan-Manufaktur Meißen
1962–67 Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
1967–69 freischaffend als Bildhauerin, Malerin und Grafikerin in Berlin, Prenzlauer Berg
1969–72 Meisterschülerin an der Berliner Akademie der Künste bei Fritz Cremer
1972 Gustav-Weidanz-Preis
seit 1972 freischaffend tätig in Berlin und Erkner
1975 Geburt des Sohnes Anton
1979 Geburt der Tochter Anna
1983 Käthe-Kollwitz-Preis
1994 Preis des Kunstfördervereins Weinheim
1996 Ernst-Rietschel-Kunstpreis der Stadt Pulsnitz
1997–2002 Gastdozentin an der Grafik + Design - Schule in Anklam
2011 Brandenburgischer Kunstpreis. Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg für ein Lebenswerk
Sabina Grzimek lebt und arbeitet in Berlin und in Erkner

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Sabina Grzimek, Meine Füße, 2014, Radierung, Kaltnadel, Aquarell, Deckfarbe
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Stefan Wewerka. Verschiebung der Kathedrale
Sonderausstellung im Seitenflügel

1987 verschiebt Stefan Wewerka den Kölner Dom. Schon 1961 beginnt der Künstler Gegenstände des Alltags zu zerschneiden, sie in veränderter Form wieder zusammenzusetzen und damit einer quasi kritischen Wahrnehmung zu öffnen. Stuhl-Skulpturen werden das Markenzeichen des Bildhauers. Der Reigen der Dinge aber, die er sich ummodelnd aneignet, reicht von der Erdkugel bis zum Fünfmarkstück. Für den Architekten Wewerka, der die frühesten künstlerischen Eindrücke dem Magdeburger Dom verdankt, spielt insbesondere in seinem grafischen Werk das bedeutsame bauliche Monument und namentlich der Kirchenbau und der Dom zu Köln eine zentrale Rolle.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Eine Kooperation mit dem Wewerka Archiv / Forum Gestaltung Magdeburg e.V.

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Stefan Wewerka, Kölner Döme, 1970, Siebdruck
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Wewerka Archiv


Biografie Stefan Wewerka

1928 in Magdeburg geboren
1944 Reichsarbeitsdienst
1945 soll zur Wehrmacht eingezogen werden, Flucht nach Hause
1946–1950 Studium der Architektur an der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin
1951 Erster Preis im Wettbewerb um den Bau der Bundesjugendherberge Bonn-Venusberg
1954 zwei Jahre freie Mitarbeit im Büro des Architekten Hans Schilling in Köln
1959 Heirat mit Ingrid Broich, Geburt des Sohnes Alexander
1962 Einjähriger Paris-Aufenthalt. Arbeit im Büro Candilis, Josic, Woods. Entwicklung von Vorschlägen »zum Umbau der Stadt Paris«.
1963 Mitarbeit im Büro von Hans Scharoun in Berlin (u.a. am Kulturforum Berlin-West)
1965 Geburt des zweiten Sohnes Philipp. Gastprofessur an der Fakultät für Kunst und Architektur der Washington University
1967 freie künstlerische Arbeit
1977–1993 Professur für Grundlagen im Fachbereich Kunst und Design an der Fachhochschule Köln
1978–1988 Zusammenarbeit mit der Firma TECTA
1987 Teilnahme an der documenta 8 in Kassel
2013 stirbt Stefan Wewerka in Berlin