Lyonel-Feininger-Galerie

Das Ende der Mythen. Feldstudie Verdun
Ein Ausstellungsprojekt zum Ende des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren
Eröffnung: Freitag 9. November 2018, 19 Uhr

Anlass der Ausstellung ist das Ende des 1. Weltkriegs am 11.11.1918. Mit dem ersten Weltkrieg setzte militärgeschichtlich eine neue Epoche ein. Nie zuvor hatte es ein vergleichbar kontinentales Kriegsgeschehen gegeben, das zugleich die Ausmaße eines industrialisierten Tötens annahm, bis hin zum ersten Einsatz von Massenvernichtungsmitteln wie Giftgas. Zum anderen fand der Krieg nicht nur auf den Schlachtfeldern statt. Vielmehr weitete er sich als „Völkerkrieg" in das gesamte Staatswesen der beteiligten Nationen aus und durchdrang von der „Kriegswirtschaft" bis zu den Hungerepidemien das Alltagsleben auch in den kleinsten Orten.

Hier setzt die Ausstellung an. Künstler und Künstlerinnen aus der Region (Quedlinburg und Halle/Saale) untersuchen auf je eigene Weise Wirkungen dieses Krieges, die bis in einzelne Familienschicksale bis heute erinnert werden. Die Beteiligten haben vor Ort in Quedlinburg in den Kirchengemeinden und Friedhöfen recherchiert, sind aber auch nach Verdun gefahren, um die heutige Landschaft über den ehemaligen Schlachtfeldern in Augenschein zu nehmen und sich einen Eindruck davon zu schaffen, in welcher Weise sich die Spuren des damaligen Gewaltszenarios immer noch abzeichnen.

Katrin Ruhnau (*1966), Papierkünstlerin, zeigt metaphernreiche Objekte, die das Durchdringen von Krieg und Privatsphäre thematisieren. Friederike Nottrott (*1977), Keramikerin, setzt sich mit der Ästhetik der Kriegstechnik auseinander und reflektiert sie mit Porzellanobjekten, die auf die Form von Granaten zurückgehen. Thomas Hadelich (*1961), Grafiker, hat in Verdun gezeichnet und untersucht mit seinen aufwendigen Aquatinten Male und Spuren in überkommenen Beton- oder Metalloberflächen sowie Fragmente einer immer noch zerrissenen Landschaft. Bernd Papke (*1960), Maler und Grafiker, hat von Gedenktafeln die Namenlisten Gefallener als Frottagen erfasst und diese in großformatigen Zeichnungen zum Fond von Landschaften gemacht: Es entstehen Porträts von Bäumen, die 1918 zwischen Quedlinburg und Rieder gepflanzt worden sind. Chris Wohfeld (*1971), Fotograf und Initiator des Projekts, beschäftigt sich seit mehr als 10 Jahren mit diesem Thema und untersucht in seinem Langzeitprojekt in Form einer Feldstudie bis in kleinste Detail die Landschaft nach Spuren des geschichtlichen Geschehens.

Als Gemeinschaftsarbeit entsteht auf dem Grundriss der Stadt Quedlinburg von 1918 ein Nagelobjekt, bei dem jeder Nagel einen Einwohner der Stadt repräsentiert (ca. 25.000). In einer öffentlichen Aktion werden die Nägel, die für Gefallene und Angehörige von Gefallenen in der Stadt stehen, herausgezogen, so dass man ein geradezu körperliches Bild für den Verlust vor Ort bekommen kann. Dahinter steht die Überzeugung, dass die Rückbindung der Gegenwart in ihre Geschichte nur gelingt, wenn die Auseinandersetzung konkret wird.